3 – Die Herrscherin im Tarot
Motto: Die Herrscherin verkörpert die blühende Fülle des Lebens in ihrer vergänglichen Pracht. Anmut, Schönheit und Redlichkeit sind ihre Attribute.
Vorbemerkung
Schönheit, Wahrheit und Lebenskunst sind Aspekte der Venus, deren Sphäre in der Natur immer wieder von neuem mit ihren Attributen aufblüht. Der kurzen Blütezeit folgt das langsame Verwelken. Venus scheint nicht zur Regentin geboren und doch finden sich auch Beispiele für ihre Herrschaft über ein Reich. Kleopatra wird hier als Beispiel gewählt, die letzte Pharaonin des antiken Ägyptens.
Anmerkung: Herrschaft und Herrscherin ist hier ein sprachlicher Widersinn, doch folge ich hier der Überlieferung und mache meine Position ihrer Stellung in dem Einweihungssystem des Tarot klar. Es gibt einige andere sprachliche Hürden, die ich nicht beseitigen kann ohne den Sinn des Ganzen zu entstellen.
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3 - Die Herrscherin im Tarot 
Die Hohe Priesterin tritt aus dem Schweigen der Nacht
Empor in den vergänglichen Glanz der Mitte des Tages.
Venus erblüht, wo Farben verlockend aufleuchten.
Sie thront auf marmornem Thron, unverrückbar,
Ein goldgeränderter Stab in ihrer rechten Hand,
In der Linken verkündet ein Vogel den Frieden.
Das Gewand fällt offen zu Boden und entblöst ihre Brust.
Macht kennt keine Scham, das Leben zeigt sich offen.
Goldene Borten zieren den Rand des Gewandes.
Der Erde zugewandt wendet sie sich zur Seite
als wolle sie das ganze Reich des Werdens beachten.
Doch ihre Herrschaft verblüht rasch und geht unter.
Die Blütezeit der Venus ist nicht von langer Dauer.
Kleopatra wählte den Tod als ihr Land an Rom fiel,
Als letzte Herrscherin wahrte sie so ihre Würde.
Und entging so der Schmach fremder Knechtschaft.
Ein kurzes Blühen mit Mühen davor und Welken danach,
So lehrt die Geschichte, scheint das fortlaufende Los.
Doch der Sinn der Äonen übersteigt unser Verständnis
und auch die Ahnung ist oft nur verhangener Trug.
Erläuterung
Die Abbildung zeigt die Herrscherin sitzend auf marmornem Würfel, Sitz und kühles Fundament ihrer Macht über die weite Natur. In der rechten Hand hält sie das Zepter des Willens und der Macht. Zur Linken sitzt ein kleiner Vogel als Zeichen der Liebesgöttin wie in ägyptischer und mediterraner Tradition bekannt. Liebe als institutionalisierte Macht und Autorität ist mir verdächtig, nicht weniger als religiöse Dominanz. Der Christianismus demütigt bis heute heidnische Kulte und ferne Religionen durch Bezeichnungen mit der Endung Ismus, nichts anderes kennt sie: Buddhismus, Hinduismus, Shintoismus und so fort ohne Ausnahmen ISMEN.
Eine Diadem ziert den Scheitel der Herrscherin und zeigt damit ihre magische Legitimität. Der Würfel deutet die Nähe zur Wirklichkeit mit allem irdischen Leben.
Die Herrscherin markiert die offene Entfaltung wie Venus, die Sphäre ihrer Zugehörigkeit mit Harmonie und Blüte und Regentschaft. Die allegorische Verbindung zu Kleopatra verdeutlicht das tragische Ende und damit das Ende ihrer irischen Macht und ihre kurze Dauer der Blüte. Als ihr Bündnis mit Cäsar scheiterte und Ägypten zur römischen Provinz wurde, zog sie den Freitod der römischen Fremdherrschaft vor.
Es zeigt sich hier auch das alchemistische Motiv des steten Aufblühens und Vergehens, das sich in manchen Variationen in den Karten wiederkehrt. . Schönheit ist kein dauerhafter Besitz, sie kann sich für eine Stunde entfalten, um dann bald zu enden, um im Kreislauf neu zu beginnen. Ein ewiger Kreislauf? Ich ende hier und reiche das Zepter der Herrschaft weiter an die Folgekarte Nummer „5 - Der Herrscher“.
Fußnoten
1) Kleopatra VII. starb 30 v. Chr. durch Gift oder den Biss einer Aspis-Schlange, je nach antiker Überlieferung.
2) Meine Recherche:
2.1 Kleopatras Entschluss zum Freitod war vor allem politisch und persönlich motiviert: Nach der Niederlage bei Actium und dem Suizid Marcus Antonius’ im Jahr 30 v. Chr. war ihre Herrschaft endgültig gescheitert, und Ägypten fiel unter römische Herrschaft. Nach Plutarch und Cassius Dio fürchtete sie vor allem, von Octavian als besiegte Königin nach Rom verschleppt und in dessen Triumphzug öffentlich zur Schau gestellt zu werden – eine Demütigung, die
sie für schlimmer als den Tod hielt. Zugleich wollte sie vermutlich ihre Kinder schützen und zunächst verhandeln; als sie erfuhr, dass sie mit ihnen nach Rom gebracht werden sollte, suchte sie den Tod, um wenigstens über die Art ihres Endes selbst zu bestimmen und sich der römischen Propaganda zu entziehen.
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2.2 Kleine Korrektur: Kleopatra war nicht die letzte Pharaonin Ägyptens überhaupt, sondern die letzte Herrscherin der ptolemäischen Dynastie und damit die letzte regierende Pharaonin des antiken Ägypten. Außerdem war ihr Bündnis nicht mit Cäsar, sondern vor allem mit Marcus Antonius unmittelbar gescheitert; Caesar war bereits 44 v. Chr. ermordet worden.
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