Aurora Tarot: Große Arkana, Narr und Initiationsweg
Die Großen Arkana des Tarot bestehen aus 22 Karten, die ich hier vollständig vorstelle. Später folgen die Kleinen Arkana, die aus 16 Hofkarten und 40 Zahlenkarten bestehen. Von den Hofkarten zeige ich ebenfalls alle, bei den Zahlenkarten wähle ich eine Auswahl. Insgesamt umfasst das Vorhaben die 22 Karten der Großen Arkana, 16 Hofkarten und einer Auswahl an Zahlenkarten.
Für die erste Karte, den Narren mit der Zahl 0, habe ich einen Begleittext in Strophenform verfasst.
Ich folge einer Tarot-Tradition, deren Struktur sich bis zum Marseille-Tarot des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt (1). Heute hat sich das Rider-Waite-Tarot am weitesten verbreitet; beide Systeme dienen hauptsächlich für Mantik und persönliche Beratung.
Mein Ziel ist zweifach: Zum einen lege ich den Code frei, der den Karten zugrunde liegt. Zum anderen zeige ich einen möglichen Erkenntnis- und Entwicklungsweg, der aus diesem Code folgt. Die Karten bilden die Grundlage, meine Texte sind die Essenz. Diese Texte werde ich immer wieder auf der Website veröffentlichen, jedoch nicht als zusammenhängenden, vollständigen Band präsentieren.
Für die Gestaltung der Karten nutze ich ein Grafikprogramm mit Unterstützung durch KI. Nur so kann ich die Darstellung aller 78 Karten – inklusive der kunsthandwerklichen Herstellung als physisches Kartenset – in der geplanten Zeit bewältigen: sechs Monate bei täglicher Arbeit von mindestens zwei Stunden, dabei nutze ich vor allem für die Erstellung der Karten die KI unterstützend.
0 – Der Narr 
Laotse, frei nach Richard Wilhelm (2):
„Der SINN, den man ersinnen kann, ist nicht der ewige SINN.
Der Name, den man nennen kann, ist nicht der ewige Name."
Der Narr schreitet über Klippen, sein Weg ist unsicher, ohne Plan.
Heiter wandert er und braucht kein Amt, kein Rang, keinen Stand.
Unwissend im großen wie im kleinen, wacht eine erhabene Macht.
Die Entscheidung wartet dort, Reifung kommt durch Feuerprobe.
Hingebung ist Führung allein, Vertrau'n auf die eigene Magie.
Wer den Weg einmal gefunden, dem wird alles Gewissheit.
Immerfort im Gehen nur findet er jede Entscheidung, das Ziel.
Zu den Strophen
Die Strophen der ersten Karte des Narren, drehen sich zunächst um die Null und Nichtigkeit eines Daseins, dem es um vieles gehen kann, aber nicht um die eigentliche Frage des Daseins – die Frage nach dem eigentlichen Sinn. Ich lasse hier einen Vers Laotse anklingen, um dann den Narren traditionsgemäß heiter und unbekümmert über die Klippen des Lebens wandeln zu lassen: den Blick in den Himmel gerichtet, die Füße vor einem Abgrund. Was wird geschehen? Der Hund scheint ihn stoppen zu wollen, aber was wirklich geschieht, weiß ich nicht – die Zukunft bleibt offen, auch jene, die direkt vor der Nase liegt.
Im ganzen Kartenset ist keine einzelne Karte vollständig. Jede verweist vorwärts und rückwärts auf andere Karten und darüber hinaus auf die gegenteilige Bedeutung bei negativer Konstellation. Für den Narren gibt es keinen Blick zurück, denn die Null ist auch das Nichts, vor dem es nichts Wahrnehmbares mehr gibt. Der Narr blickt aber auch nicht vorwärts. Er lebt im Jetzt, und das Leben in der Präsenz ist seine Stärke und seine Schwäche zugleich. Seine Stärke, weil ihn unsichtbar eine göttliche Macht schützt und über alle Klippen trägt. Doch was, wenn ihn doch eine Schwerkraft in die Tiefe zieht? Wie dem auch sei – Not führt nicht notwendig zur Wende und sie ist auch nicht nötig zur Wende. Eine Entscheidung ist möglich. Auf diese Wahlmöglichkeit wird zum Schluss der Strophen hingewiesen, denn es gibt eine Folgekarte: 1 – Der Magier. Je nach Entscheidung kann ein Weg der Initiation beginnen; denn Tarot ist kein Narren-, sondern ein Initiationsweg.
Der Rhythmus der Strophen ist frei gestaltet und doch an ein Versmaß der inneren Empfindung gebunden. Sie sind meiner Dichtung gemäß, die ich als Muster auch für die übrigen 22 Karten wähle – falls mir dies gelingen sollte.
(1) Nach den Quellen, die ich gefunden habe, nahm das Tarot de Marseille zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert allmählich Gestalt an: Die ältesten erhaltenen Karten dieses Musters stammen laut Tarot Heritage von Jean Noblet (Paris, um 1650), die heute maßgebliche Version druckte Nicolas Conver um 1760 (Wikipedia, Tarot Heritage).
(2) Richard Wilhelm-Übersetzung: Daodejing, Kap. 1, vergleiche auch den Artikel „Daodejing" in der Wikipedia
7. Sept. 2026, überarbeitet und vervollständigt am Sa. 24. Okt 2026