Aurora

Pymander - Eine Einführung

"... der Göttliche Pymander schließt die Schöpfungsgeschichte des Universums, die Seele der Menschheit sowie den Weg zur Vollendung mit ein." 

Ich komme später
auf das Zitat zurück

Pymander ist der älteste Text einer Schriftsammlung, die "Corpus Hermeticum" genannt wird. Doch zunächst will ich auf die "Tabula Smaragdina" eingehen, da diese Tafel, geheimnisumwittert zwar, doch die grundlegende Schrift ist. Diese legendäre Tafel ist durch lateinische Übersetzungen arabischer Manuskripte aus dem Mittelalter erhalten geblieben. Ihr Ursprung liegt gewiss in den ägyptischen Mysterien und fand später in der griechischen Antike ihre eigenen Ausprägung.

Die beste Onlinequelle zur T., die ich hier als Bezug verwenden werde, findet sich hier: Tabula smaragdina

Die Tabula beginnt mit den Worten: "Wahr ist es, ohne Lüge, sicher und wahrhaftig: was oben ist, ist wie das, was unten ist, und was unten ist, ist wie das was oben ist, um die Wunder des Einen zu vollbringen."

"Wahr ist ..." ist keine Floskel, sondern Voraussetzung für alles Folgende. Wer nicht bereit ist, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, kann getrost die Tafel  zur Seite schieben. Denn die Lüge, das Gegenteil der Wahrheit, muss ausgeschlossen werden. Die T. fährt fort mit der Gleichsetzung von Oben und Unten. Später wird klar werden, was damit gemeint ist, nämlich, es gibt einen Makrokosmos und einen Mikrokosmos, eine Welt im Großen, gewissermaßen eine universelle allumfassende Wahrheit und eine Welt im Kleinen, womit der Menschen gemeint ist. Der Mensch muss nicht nur zur Vernunft, sondern letztlich auch zu dieser in seinem Kern gegründeten Erkenntnis der Einheit, der allumfassenden Wahrheit kommen. Diese Einheit von Mensch und Kosmos kann als die zu verwirklichende Einheit verstanden werden, auch wenn dem Menschen die Einheit als Wunder erscheint, als das Unmögliche oder als das, was ihm verborgen ist. Dies wird durch den Schluss bekräftigt, wo es heißt: "um die Wunder des Einen zu vollbringen". 

Man beachte, dass mit dem ersten Satz die Dualität von oben und unten, von wahr und falsch, von offensichtlich und verborgen, von innen und außen nicht das Erste und Letzte Wort ist, sondern dies ist der Einheit vorbehalten, die das eigentliche Ziel ist, das Wunder, das Wundervolle, "das Göttliche" schlechthin. Mit dem ganzen Satz wird die Dualität aber in der Einheit aufgehoben, und das eigentliche Geheimnis dieses Satzes liegt im Wunder der gleichzeitigen Erkenntnis und Erfahrbarkeit dieser wundervollen Aussage. 

Ich werde demnächst mit dem zweiten Satz fortfahren.

6. Juni 2026