Epos in Versen
Antithese
Göttliche Weisheit kann nirgends hier bestehn,
Göttliche Liebe kann nicht auf Erden leben.
Begrabe deine schimmernden Träume der Höhn.
Sag, ist nicht alles, was du bist und tust, ein Traum?
Sind Dein Mental und Leben nicht Kniffe stofflicher Kraft?
Ist dein Leben nicht sterblich nur und Illusion der Wünsche?
Geblendet wirst du nur von einem Strahl des kurzen Glücks,
Bist unfähig aus eignem Recht göttlich zu leben.
Alles löst sich am Ende auf in meiner absoluten Macht,
In meiner alten Null, aus der die Energie entspringt als Traum,
In die sie wieder sinkt und alles auslöscht in der Nacht.
Deine Verse sind ein heller Wahn von wandernden Gedanken,
Du schlürftst den Wein der Schönheit aus blechernem Kelch.
Deine Fiktionen sind Ausdruck deiner geschönten Mängel,
Den Lauf der Zeit beende ich vor jeder Erfüllung.
O Seele, du wirst getäuscht vom Sog der eigenen Gedanken,
Von Färbungen der Energie, über die ich allein verfüg.
Ergib dich mir und folge frei meinem Gesetz.
Nimm an das kurze Licht, das auf deine Tage fällt.
Nimm an, was je du kannst, von meinem gegönnten Glück
Und beuge dich der Feuerprobe meines Endes,
Erleide, was du leiden musst, doch erkenne mich
Als die höchste, als die letzte Instanz, ich bin der Tod.
30. Mai. 2026
Fausts letzter Teil
Beherzt tritt Faust vor das Gesetz des Todes,
Er ist durch einen Pakt fest an den Tod gebunden.
Was er durch Dienstbarkeit gewann, muss er vergelten.
Die unsichtbare Macht der Götter enthüllt sich ihm.
Die enttäuschte Seele sinkt nieder, erhebt sich wieder,
Sein Genius fordert in Ewigkeit den unsterblichen Willen.
28. Mai. 2026
Die Lämmergeier
Im fahlen Licht der letzten Tage
Rochen die Geier die Lämmer,
Doch ich verharrte in Unbeweglichkeit
Und sah die Schönheit und Pracht
Durch den Schleier des Elends.
17. Nov. 2025 | 27. Mai 2026
Schatten am Horizont
Schlafende Geister der Vergangenheit bedrängten mich,
Sterbende Schatten eines langen Lebens bäumten sich auf,
Alles, was ich einst war und tat, erlebe ich neu.
Die erlebten Jahre strömten dahin in wilder Eile.
Hier steh ich nun in der Morgenstunde,
Betrachte auf einer Lichtung im vertrauten Wald
Das Wissen einer neuen Wahrheit fern am Horizont;
Kaum ein Hauch davon findet den Weg in meine Äußerung.
1. Juli 2025 | 25. Mai 2026