Aurora

Pymander Teil 1

"Das, was Oben ist, dient, wie das, was Unten ist, dazu, die Wunder des Einen zu vollbringen."

Tabula Smaragdina

Das Eine

Die Ursprünge der Hermetik liegen zweifellos in den Kammern der Pyramiden, denn hier wurde das "wahre" Leben vorbereitet. Keine andere Hochkultur hat sich über viele Jahrtausende so sehr mit dem Leben nach dem sterblichen Leben beschäftigt wie die Geister am Nil. Um Irrtümer vorzubeugen, werde ich diese Kultur nicht nach gewohntem Maßstab deuten, ich finde vielmehr ungehobene Schätze, die ich für mein eigenes Leben nutzen kann. Der Leser, der mir folgt, wird hier Schlüsse finden, die er andern Orts vergeblich sucht. Ich sehe nicht ein, warum ich Meinungen wiederholen soll, die schon unzählige Male wiederholt wurden. Ich halte sie nicht für falsch, sondern nur für langweilig.

Die Tabula smaragdina ist legendär und ihr historischer Gehalt ist ausgetroschenes Stroh. Mit dem Gehalt sieht es allerdings ganz anders aus. "Das, was oben ist, ist wie das, was unten ist." Und umgekehrt. So beginnt verkürzt, doch richtig, die Tabula. Und mit der Frage nach dem wozu, kommen wir zum Einen. Was dieses Eine sei, wird nicht gesagt, es gibt nur den Hinweis auf ein Wunder, auf etwas Geheimnisvolles. Die Monotheismen sind bekanntlich Holzwege, ihre Einheiten sind mit Blutlachen besudelt und enden bis heute in Gewaltausübung, Machtsicherung, Unterdrückung und Sklaverei. 

Ich gehe davon aus, dass das Leben eine Einheit ist, dass diese Einheit sich aber entfalten kann und wo diese Entfaltung verweigert wird, verkümmert das Leben; Diese Entfaltung setzt aber eine "Immanenz" voraus, denn wie kann man denn etwa auswickeln, wenn nichts eingewickelt ist. Die Einheit hat einen doppelten Aspekt, der unterscheidbar ist und als oben und unten, als innen und außen, vorne und hinten, sichtbar und unsichtbar, als offensichtlich und verborgen bezeichnet werden kann. Diese Unterscheidung muss gleich am Anfang allen Lebens gemacht werden und bleibt im ganzen Leben von der Wiege bis zur Bahre erhalten. 

Soweit ist alles offensichtlich. Irreführend wird die Betrachtung erst, wenn das Leben auf einer fortlaufenden Strecke gesehen wird. Nichts in der Natur, also dem Werden und Vergehen allüberall, entspricht dieser Betrachtungsweise einer geraden Strecke. Es ist vielmehr so, das im Kleinen wie im Großen zyklische Prozesse vorherrschen und selbst da, wo wir nur lineare Abläufe wahrnehmen, sind dies wohl nur Ausschnitte unserer Sichtweise. Der erste Satz der T. ist in seiner Tragweite gar nicht zu überschätzen, er ist in der Hermetik das Initium, die Initialzündung des Ausgangs. Die Einheit ist also der Anfang der Dinge und wer eine Ahnung von der Hermetik hat, wundert sich nicht mehr, wenn hier das Alpha dem Omega in den Schwanz beißt.

Ich werde eine Pause einlegen, denn die Website will fertiggestellt werden, die Baustellen sollen beendet werden bevor ich hier fortfahre. 

30.Mai 2026